#SHORTCUT Stefan Heyne

Stefan Heyne (geb. 1965 in Brandenburg an der Havel) studierte Bühnenbild in Berlin Weißensee bevor er sich der Fotografie verschrieb. Ausstellungen in Deutschland, wie in der Städtischen Galerie Dresden, in den Kunstsammlungen und Museen Augsburg, dem Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, in der Stiftung Schloss Neuhardenberg, und in der Galerie Volker Diehl Berlin sowie in den USA in der Galerie Diane Rosenstein Gallery folgten. Die Publikationen Stefan Heyne „NAKED LIGHT“ – Die Belichtung des Unendlichen/Exposing Infinity sowie Stefan Heyne „Speak to Me“ sind beide im Hatje Cantz Verlag erschienen.

VTph editions: Stefan, deine Farbverläufe in den Fotografien spielen immer mit unserer Wahrnehmung. Sie scheinen den Raum in Frage zu stellen, die Zeit ebenso und geben uns etwas schwereloses. Zeigt sich in deinem fotografischen Werk auch deine Prägung und dein Background zur Bühne und zur Licht- und Raumbespielung?

Stefan Heyne: Fußt nicht alles was wir tun und planen auf dem, was bisher war? Step by step. Kunst ist letztlich nichts anderes als permanent den Horizont zu erweitern – für mich selbst und damit vielleicht auch für andere. Meine Bilder beschreiben den Raum in seiner ursprünglichen Dimension: der Unendlichkeit. Und das mit den Mitteln der Fotografie. Und der Raum ist unendlich, nur die Fotografie an sich ist durch 4 Ecken begrenzt, alles passiert zwischen diesen 4 Kanten. Der Raum wird hier gebannt.

VTph editions: Wie finden zwei oder mehrere deiner Werke in einem Zusammenspiel zusammen, wenn du sie z.B. als Diptychon präsentierst oder in einer 2er, 3er oder 4er Anordnung?

Wenn ich zwei oder mehrere Kunstwerke zu einem zusammenführe, setze ich sie in einem direkten Zusammenhang und schaffe so etwas Neues. Einmal drei ist offensichtlich nicht drei. Bisher hatte ich immer verschiedene Motive, ob gleich oder verschieden, in einer eigenen Edition mit unterschiedlichen Blättern zusammengeführt. Premiere hat – aufgrund der Anregung durch das Gespräch – die Idee, zwei Motive auf genau einem Blatt zusammenzuführen. Bisher war das Kombinieren immer eine kuratorische Angelegenheit für mich, ob in einer Galerie, oder im Rahmen einer Museumsausstellung oder in einem Loft. Denn Arbeiten zu kombinieren, ist auf ganz unterschiedlicher Weise möglich.

Zum Einen liegt es im Auge des Sammlers, welche Arbeiten er kauft und zusammenbringen möchte; zum Anderen werde ich auch schon gezielt um Empfehlungen gebeten. Eine Arbeit macht mit einer anderen Arbeit im Zusammenspiel auch immer etwas. Beide verändern sich dadurch, dass sie nebeneinander existieren.

VTph editions: Mit dem Kunstkritiker Ralf Hanselle hattest du das „Manifest des Tabularismus“ verfasst. Wie kam es dazu und würdest du heute andere Thesen schreiben als vor einigen Jahren? Oder vielleicht würdest du sie ergänzen?

Wir haben in dieses Manifest erst einmal kein Datum hineingedruckt, weil es so zeitlos ist. Damit verbunden war der Wunsch, eine Anregung zu schaffen, die Fotografie wieder auf sich selbst zurück zu führen. Nämlich hin zu dem, was sie im Kern nach ist: Licht, Schatten und Farbe. Die Idee dazu kam, weil wir das Bedürfnis hatten, dass wir das, was wir mit Fotografie verbinden, einmal kurz und knapp in Worte fassen wollten. Tabula rasa bedeutet ja auch soviel wie leer und aufnahmebereit, wie ein leeres Blatt, wie eine leere Tafel – man macht den Tisch frei für Neues. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

VTph editions: Woran arbeitest du gerade und was werden wir von dir als nächstes sehen, hören oder lesen dürfen?

Das Neue, was am Ende zum Bild taugt, erwarte ich mit der gleichen Neugier. Der einzige Unterschied ist vielleicht, dass ich dabei als Künstler eine große Geduld habe. Kunst ist für mich vergleichbar mit dem Betreten eines Neulandes, also eines Gebietes, wo zuvor noch keiner war. Ich weiß also vorher nie, worum es gehen wird oder gehen könnte. Kunst ist ja das, was sich schwer in Worte fassen lässt.

Vielleicht soviel: Meine erste Collaboration mit einem wundervollen Fashion-Label ist gerade in der letzten Phase und wird Anfang 2022 in Los Angeles gelauncht. Das Konzept ist State of the Art – nachhaltig – und wir haben nach langer Suche endlich eine kleine Manufaktur am Comer See gefunden, die meine Ideen in wirklich beeindruckender Qualität umsetzen konnte. Ein neues Buch planen wir in 2022 auch. So, stay tuned!

© Stefan Heyne „The Space of Time“ / Portrait Privat

Stefan Heyne „The Space of Time“