WHITE NIGHT, Le Caire, Egypte 2001 © Gilles Coulon / Copyright by Gilles Coulon/Tendance Floue

WHITE NIGHT, Le Caire, Egypte 2001 © Gilles Coulon / Copyright by Gilles Coulon/Tendance Floue

WHITE NIGHT, Niamey, Niger 2000 © Gilles Coulon / Copyright by Gilles Coulon/Tendance Floue

WHITE NIGHT, Niamey, Niger 2000 © Gilles Coulon / Copyright by Gilles Coulon/Tendance Floue

6/09/2008, 4:42 pm – 5:42 pm, S 29°33.076' W 068°06.724' © 1h/HANS-CHRISTIAN SCHINK

6/09/2008, 4:42 pm – 5:42 pm, S 29°33.076′ W 068°06.724′ © 1h/HANS-CHRISTIAN SCHINK

2/20/2010, 6:53 am – 7:53 am, S 37°40.831' E 178°32.635' © 1h / HANS-CHRISTIAN SCHINK

2/20/2010, 6:53 am – 7:53 am, S 37°40.831′ E 178°32.635′ © 1h / HANS-CHRISTIAN SCHINK

2/21/2010, 7:00 pm – 8:00 pm, S 38°49.042' E 174°34.976' © 1h / HANS-CHRISTIAN SCHINK

2/21/2010, 7:00 pm – 8:00 pm, S 38°49.042′ E 174°34.976′ © 1h / HANS-CHRISTIAN SCHINK

Clervaux – cité de l’image

LA PHOTOGRAPHIE A CIEL OUVERT –

FOTOGRAFIE UNTER FREIEM HIMMEL

„Still Light“ Part II

SAISON 2019/2020

Gilles Coulon

Hans-Christian Schink

Clervaux, Luxemburg

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Gilles Coulon – WHITE NIGHT

Le jardin de Lélise, Montée de l’Église

10/07/2020 – 09/04/2021

Hans-Christian Schink – 1h

Schlassgaart, Montée du Château

27/07/2020 – 26/03/2021

Der zweite Teil der fotografischen Saison „Still Light“ analysiert zwei spezifische Lichtquellen, eine natürliche und eine künstliche.

Die Lichteffekte, die in beiden Werken beschrieben werden, sind charakteristisch für die dargestellte Umgebung, die dem Bild als Motiv dient. Das künstliche, röhrenförmige Leuchtelement von Gilles Coulon steht immer in Bezug zur baulichen Umgebung. Sein Neonlicht vereint funktionalen Raum mit Durchgangsorten.

Die von Hans-Christian Schink präsentierte Sonne zeichnet ihren Lauf auf der weiten Leinwand eines wolkenlosen Himmels, der sich über eine Natur- oder Kulturlandschaft erstreckt, immer völlig menschenleer. Die Konfrontation der Werke verspricht einzelne Gemeinsamkeiten: Beide Fotografen sind um die Welt gereist. Sie betrachteten subjektiv ein globales und universelles Phänomen, das in ihren Bildern scheinbar formale Ähnlichkeit aufweist … Die Parallelen sind jedoch schnell ausgeschöpft.

Die Auswahl individueller Aufnahmen erinnert bei Gilles Coulon an eine willkürliche und poetische Begegnung. Als hätte der Zufall beschlossen, den französischen Fotografen auf eine spontane Reise zu entführen, deren Schlüsselmomente dem Künstler erst zum Zeitpunkt der Gegenüberstellung offenbart würden …

Hans-Christian Schink arbeitet gleich einem wissenschaftlichen Forscher. Ort und Zeit werden bewusst gewählt. Die damit verbundenen Koordinaten sind sogar namensgebend für die jeweiligen Bilder. Das künstlerische Projekt räumt dem Faktor Zeit eine entscheidende Rolle ein und erhebt ihn zum Mitgestalter des Werkes. Von der Bewegung der Erdumdrehung aus betrachtet, zeichnet das fotografische Medium die Spur der Sonne nach. Das Gestirn erhält so ein neues lineares Erscheinungsbild. Die Fotografie erweitert seine effektive Form und reproduziert die Sonne in einem neuen Licht.

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The second part of the photographic season “Still Light” analyses two specific light sources, one natural, one artificial.

The light effects described in both works are characteristic of the depicted surroundings which serve as a motif for the image.
Gilles Coulon’s artificial light tube always sits within its structural environment. His neon light combines the functional space with places of transit.

The sun as presented by Hans-Christian Schink draws its course on the wide canvas of a clear sky expanding over a natural or cultural landscape always completely devoid of people. The confrontation of the two works hints at some commonalities: both photographers have travelled the world, offering a subjective view of a global, universal phenomenon, which seemingly possess some formal similarities. The parallels are quickly exhausted, however.

The selection of individual shots by Coulon evokes an arbitrary, poetic encounter. As if the French photographer was guided by chance on a spontaneous journey, with the key moments only revealing themselves once he confronted them.
Hans-Christian Schink employs the methods of a scientific researcher. Place and time are chosen very deliberately, with the coordinates actually providing the name of the image. The artistic project gives the temporal factor a decisive role, thus elevating it to co-creator of the works. Using the viewpoint of the earth’s rotation, the photographic medium retraces the course of the sun and gives our familiar star a new, linear appearance. Photography expands its effective form and reproduces the sun in a new light.

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www.clervauximage.lu

 

Descriptions

Gilles Coulon – WHITE NIGHT

Licht ist ein globales Phänomen. In seinem natürlichen Zyklus unterliegt es den Gesetzen eines rhythmischen Wechselspiels. In seinem künstlichen Kontext entzieht es sich diesen Regeln.
Anders als sein natürliches Gegenstück erweist sich Industrielicht als kontrollierbare Lichtquelle. Die feinen Unterschiede in der Intensität und die reichhaltigen Farben, die während des authentischen Wandels von Tag und Nacht beobachtet werden, sind jedoch in dem vom Menschen überarbeiteten Szenario ausgeschlossen. Man denke an ein universell einsetzbares System, das sich in linearer Form präsentiert: die Neonröhre.
Die Leuchtstoffröhre ist für Gilles Coulon zum Mittelpunkt einer fotografischen Arbeit geworden. Seit 2000 untersucht er weltweit ihre visuellen Effekte.
Das Neonlicht vermittelt eine eigene Symbolik. Es beleuchtet Durchgangsorte sowie rein funktionale Plätze und kennzeichnet sie als solche. Das charakteristische Licht ist stimmungsgebend. Die so entstandene Atmosphäre wirkt sowohl lyrisch als auch eintönig und karg. Die Räumlichkeiten – Wartezimmer, Supermarkt, Bahnsteig oder Bushaltestelle – erscheinen unpersönlich.
Obwohl das Neon in seiner Leuchtkraft jedes Dekor effektiv ausstrahlt, ist seine Wahrnehmung wenig erhellend. Gilles Coulon zeigt das Objekt mit allen überflüssigen Seiten und in all seiner unerwarteten Pracht. „White Night“ verdrängt die Dunkelheit und raubt dem nächtlichen Firmament die Sterne. Kann die Leuchtröhre den Menschen inspirieren, so wie einst das Mondlicht vor ihr?

Gilles Coulon wurde 1966 in Nogent-sur-Marne, Frankreich, geboren und studierte Fotografie an der Ecole Nationale Louis Lumière in Paris. Er ist Mitglied des Collectif Tendance Floue. 1997 gewann er den World Press Photo Award in der Kategorie Daily Life für seine Arbeit über die Wanderweidewirtschaft der Fulani zwischen Mali und Mauretanien.

Light is a global phenomenon. In its natural cycle, it is subject to the laws of a rhythmic iteration, but in an artificial context, it defies all laws.
In contrast to its natural counterpart, industrial light is a convenient and easily controlled source of illumination. The subtle differences in intensity and rich colours observable during the authentic transition from day to night are missing in the human-created scenario. Think of a universally applicable system presented in a linear form: the neon tube.
The fluorescent tube has become for Gilles Coulon the centre of his photographic series. Starting in the year 2000, he has been on a global journey to analyse its visual effects.
Neon light conveys its own symbolism. It illuminates transitory and purely functional spaces and distinguishes them as such. The characteristic light defines the mood of a place. The resulting atmosphere seems both lyrical and starkly monotonous. The premises – waiting rooms, supermarkets, train platforms or bus stations – appear impersonal.
While the neon gas can effectively light up every décor, its effect is not illuminating. Gilles Coulon shows the object in all its superfluous splendour and unexpected charm. “White Night” banishes the darkness and snatches the stars out of the nightly sky. Can neon lights inspire humans as the moonlight used to do before it had to cede the scene?

Born in 1966 in Nogent-sur-Marne, France, Gilles Coulon studied photography at the Ecole Nationale Louis Lumière in Paris. He is a member of the Collectif Tendance Floue. In 1997, he won the World Press Photo award in the Daily Life category for his work on the transhumance of the Fulani between Mali and Mauritania.


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Hans-Christian Schink – 1h

1h - Eine Stunde beschreibt den zeitlich ausgerichteten Blick von Hans-Christian Schink auf die Sonne und dessen bildliche Übertragung durch das Medium der Fotografie. Es handelt sich dabei um Überbelichtungen, sogenannte Solarisationen, die nur durch das analoge Verfahren möglich sind. Die Titel der einzelnen Bilder geben Aufschluss über die Entstehung der Werke: Datum, Zeit sowie Längen- und Breitengrad.
Die Sonne wird selten als physisches Element betrachtet. Als Gestirn bleibt sie vom Bewusstsein größtenteils unbeachtet. Die optische Wahrnehmung des Menschen erfasst Helligkeitsgrade und orientiert sich an Kontrasten.
Hans-Christian Schink vereint all dies in seinen fotografischen Überlegungen. Seine Darstellungen zeigen eine fiktive, widersprüchliche Situation: Die abgebildete Landschaft wirkt statisch, der Himmelskörper vermittelt Bewegung. Die Verfremdung physikalischer Phänomene nimmt surreale Züge an, da eingebettet in eine menschenleere Kulisse.
Die Arbeit besticht weiter durch Paradoxien: Als zeitgenössisches Dokument führt sie den Betrachter zurück zum analogen Prinzip der Fotografie. Die Reduzierung auf einen Hell-Dunkel-Kontrast erinnert an die Vergangenheit und die Anfänge der Fotografie. Zeitgleich lassen sich assoziativ Verbindungen zur filmischen Kulturgeschichte erkennen. Die Sonne ist von ihrer ursprünglichen Form losgelöst und wird als stangenartiges Gebilde zum fliegenden Objekt. Als schwebender Leuchtstab, ähnlich einer Leuchtstoffröhre, hängt sie bedrohlich über der Landschaft und öffnet damit ein Fenster zum Genre der Science-Fiction.

Hans-Christian Schink wurde 1961 in Erfurt, Deutschland, geboren. Er studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Seine Fotografien sind meist Landschaftsstudien im Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation.

1h – One hour is the duration of Hans-Christian Schink’s gaze towards the sun, and the name of its pictorial representation through photography. He uses overexposures, called solarisations, which are only possible through analogue methods.
The individual image titles give the coordinates of each work’s creation: date, time, latitude and longitude.
The sun is rarely considered as a physical element. Its constant presence as a star is largely ignored by our consciousness. Human optical perception registers degrees of brightness and uses contrasts for orientation.
Hans-Christian Schink unites all of this in his photographic reflections. His representations show a contradictory situation: the depicted landscape appears static while the sun conveys movement. By distorting the physical phenomena, the images take on surreal traits, embedded in a setting devoid of human life.
The work has further paradoxes to offer: despite being a contemporary document, it takes the viewer back to the analogue principles of photography. The reduction to a pure contrast of light vs. dark recalls the long-ago beginnings of photography. But there are also parallels with the tradition of film. The sun has been separated from its original form and becomes almost unidentifiable as a rod-like, flying object. Reminiscent of a fluorescent tube, it hovers menacingly above the landscape, clearly evoking the science fiction genre.

Hans-Christian Schink was born in Erfurt, Germany, in 1961. He studied photography at the Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. His photographs are mostly landscape studies exploring the friction between nature and civilization.


(Text : A. Meyer / Clervaux – cité de l’image, English translation by Nadia Linden)

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