Cosmos © François Fontaine

Cosmos © François Fontaine / Agence VU´

Dart, Berlin, DEAF 2008 © Anna Lehmann-Brauns

Dart, Berlin, DEAF 2008 © Anna Lehmann-Brauns

Soma 020 © Andreas Gefeller, Courtesy Thomas Rehbein Galerie, Köln

Soma 020 © Andreas Gefeller, Courtesy Thomas Rehbein Galerie, Köln

She Disappeared into Complete Silence © Mona Kuhn AD 7272, 2014

She Disappeared into Complete Silence © Mona Kuhn AD 7272, 2014

Clervaux – cité de l’image

LA PHOTOGRAPHIE A CIEL OUVERT – FOTOGRAFIE UNTER FREIEM HIMMEL

„Still Light“ Part I

SAISON 2019/2020

François Fontaine

Anna Lehmann-Brauns

Andreas Gefeller

Mona Kuhn

Clervaux, Luxemburg

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François Fontaine – COSMOS

Arcades II, montée de l’église

17/09/2019 – 16/09/2020

Anna Lehmann-Brauns – SUN IN AN EMPTY ROOM

Arcades I, Grand-rue

27/09/2019 – 25/09/2020

Andreas Gefeller – SOMA

Echappée belle, place du marché

27/09/2019 – 25/09/2020

Mona Kuhn – SHE DISAPPEARED INTO COMPLETE SILENCE
Jardin du Bra’haus II, montée du château

25/10/2019 – 23/10/2020

Die unter dem Titel „Still Light“ zusammengefasste fotografische Saison lädt den Betrachter zu einer meditativen Reise ein.

Sind Gedanken in ihrer Abstraktion festgefahren, oder fehlt es an Distanz zur Analyse der Phänomene, so scheint es immer empfehlenswert, den Tagesanbruch abzuwarten. In der Helligkeit des Tages unterscheiden sich die Elemente voneinander, und obwohl es die Nacht ist, die guten Rat verspricht, ist es das Tageslicht, das Reflexionen wieder in die richtigen Bahnen lenkt, weil es die Dinge in ihrer tatsächlichen Form zeigt.

Die Nacht bringt Schatten, die Spuren verwischen und ganze Wege verschlingen. Es gibt nur eine erhabene Kraft, die dem Schattenreich trotzen kann: das Licht.

Existiert das Eine, ist auch das Andere gegeben. Das Helldunkel bildet eine zusammenhängende und untrennbare Einheit. Auch wenn sich die beiden Mächte im religiösen und spirituellen Kontext – so heißt es – bekriegen, deckt die Kunst ihre wundersame Vereinigung auf: Licht und Schatten im Wechselspiel erschaffen die Welt in ihrem Relief.

Licht ohne seinen Gegensatz, isoliert in seiner Existenz, enthüllt nichts – es ist von seiner eigenen Ausstrahlung geblendet. Gleiches gilt für die Nacht, die ohne Ergänzung an ihrer Dunkelheit erblindet. Wenn nun der Mensch in dieses fragile kosmische Gleichgewicht eingreift, verwirren sich die Welten und werden ins Groteske entstellt.

Was hat es mit dem Licht auf sich? Was definiert seine Qualität, und welches sind seine Auswirkungen auf das Universum? Das vom Menschen geschaffene Licht bleibt künstlicher Schein. Wohin führt diese Künstlichkeit? Sollte man die Nacht nicht überdenken, zugunsten einer neuen Wahrnehmung des Lichtes?

Descriptions

François Fontaine – COSMOS
Arcades II, montée de l’église 17/09/2019 – 16/09/2020

Der Zugang zu François Fontaines Bildwelt führt über die große Leinwand der Filmkunst. Jeder Film ist eine Ansammlung von bewegten Bildern, während das Foto als verwandte Disziplin auf dem statischen Bild basiert. Die beiden Medien werden von einer gemeinsamen Quelle getragen: Licht.

Licht im Universum. Dieses Licht trotzt dem weiten, anonymen Weltraum durch seine potentielle und konkrete Schöpfungskraft. Der Blick zu den Sternen entspringt der Sehnsucht eines jeden Menschen, den möglichen Ursprung aller Dinge zu erforschen. Licht bietet eine Öffnung in unbekannte Dimensionen. Seine Strahlen führen den Blick des Suchenden in die Tiefen des Weltraumes. Im All herrscht weder Dunkelheit noch Helligkeit.

Die Suche nach Licht ist Abenteuer. Es beeinflusst das Denken und die Vorstellungskraft des Menschen und nimmt ihn mit auf eine spirituelle Reise bis an die Grenzen seiner Existenz. Paradoxerweise wird er dadurch in seiner Individualität bestätigt. Dieses erhabene Gefühl wird von François Fontaines künstlerischen Reflexionen aufgegriffen und in verschwommenen Bildmotiven übermittelt.

Anna Lehmann-Brauns – SUN IN AN EMPTY ROOM
Arcades I, Grand-rue 27/09/2019 – 25/09/2020

Anna Lehmann-Brauns fotografiert Räume und Architekturen. Dabei reiht sie sich jedoch nicht in die Architekturfotografie ein. Auch widerspricht sie der Annahme, eine dokumentarische Arbeit zu machen.

Die Berliner Fotografin ist vielmehr mit einem „Director of Photography“ zu vergleichen. So wie im Film gestaltet sie ihre Bildwelten mit Hilfe von Licht und Schatten. Von ausgewählten Positionen aus kombiniert sie ihre Blickwinkel mit subjektiver, räumlicher Vorstellung, basierend auf Stimmungen und Erinnerungen.

Es sind stille Kompositionen, die Schatten in gleichem Maße wertschätzen wie Lichtverhältnisse, auf die sie sich berufen. So gesehen gibt es fast einen Bezug zum künstlerischen Stillleben. Menschenleer weisen die Räumlichkeiten nur unbelebte Elemente auf, Objekte, Gegenstände, die den Raum geräuschlos bevölkern.
Das stille Licht kontrastiert oft mit dem dargestellten Inhalt. Die Fotografin führt den Betrachter in nächtliche und urbane Dekors – Kinos, Diskotheken, Hotels, Filmkulissen. Dynamische, lärmende Räume mit Geschichten und Bewegung. Hier sammeln sich Gegensätze. Das nächtliche Dunkel behauptet sich gegen künstliche Beleuchtung. Das Aufeinandertreffen beider Phänomene ist prägend für das Werk von Anna Lehmann-Brauns. Beide Welten fließen ineinander wie zäher, tauber Nebel, der die realen Grenzen verwischt.

„Sun in an Empty Room“ ist nicht nur der Name einer Bilderreihe, sondern auch ein Zitat und damit ein Verweis auf Edward Hopper. Dem Meister gelang es in seiner Malerei, mittels Wiedergabe von Licht und Schatten skulpturale Räume auf die flächige Leinwand zu übertragen, ohne etwas von der Tiefe seiner Motive einzubüßen. Entstanden sind chromatische Stimmungen, die sich in eine Epoche einfügen, deren Merkmale sie widerspiegeln.
Anna Lehmann-Brauns‘ Arbeit funktioniert in ähnlicher Weise: Licht dringt in und aus dem dunklen Raum und offenbart zeitgenössische Kulissen mit individuellem Charakter. Die Schatten entweichen still und leise in die Nacht.

Andreas Gefeller – SOMA
Echappée belle, place du marché 27/09/2019 – 25/09/2020

„Eine schöne neue Welt“. In der Arbeit von Andreas Gefeller gibt es Parallelen zu Aldous Huxleys Roman. So erklärt sich auch der Titel der fotografischen Reihe, die den Namen der Droge aufgreift, welche die Wirklichkeitswahrnehmung der Menschen in Huxleys literarischem Universum verändern und erträglich machen soll: „Soma“.

Die Fotoarbeit „Soma“ des deutschen Fotografen gibt Einblicke in einen künstlichen, zweckbedingten Mikrokosmos, der sich im Jahr 2000 unter gleißendem Kunstlicht präsentiert. Gestalter dieser Welt ist der Mensch. Er erklärt die Nacht zum Tag. Erstere scheint an Helligkeit den Tag tatsächlich in den Schatten zu stellen.

Ein Küstenstreifen Gran Canarias ist lichtüberflutet dokumentiert, obwohl es sich um Nachtansichten handelt. Ein neu gestaltetes, hell erstrahlendes Urlaubsparadies als Gesamtkunstwerk – bestehend aus repetitiven Strukturen und geometrischen Formen – offenbart sich unter tiefschwarzem Himmel.

Die grell beleuchteten Fassaden lassen die Kulisse surreal erscheinen und wirken überaus grafisch in ihrem Aufbau. Sämtliche Motive und Bildelemente sind überdeutlich und scharfkantig von der Kamera aufgezeichnet. Die Bilder resultieren von Langzeitbelichtungen.

Palmen und Kakteen, aufgereiht in gerader Linie, ergeben ein Szenario, das dekorhaft anmutet und Beklemmung erzeugt. Strandpromenaden mit Liegestühlen sind menschenleer abgebildet. Zu viel Licht steht im Kontrast zu den streng aufgeräumten und verlassenen Orten. Die künstliche Beleuchtung zeichnet sich flächenartig im Bild ab und drängt die Schatten an die Randzonen der Aufnahme.
Es bleibt betäubende Helligkeit und Leere.

Mona Kuhn – SHE DISAPPEARED INTO COMPLETE SILENCE
Jardin du Bra’haus II, montée du château 25/10/2019 - 23/10/2020

Die Qualität von Licht wird laut Mona Kuhn in farblichen Nuancen und – so seltsam es klingen mag – auch in Tönen gemessen bzw. an der Abwesenheit von letzteren. Die Fotografin hat diese empirische Erfahrung in fotografische Bilder übersetzt. Dem Licht entgegen, führte sie ihre Reise in die Joshua-Tree-Wüste in Kalifornien.

Während eine klassische Symphonie sich in Rhythmen und der Entwicklung eines anfänglichen Motivs aufbaut, wird das Potential von Licht über seine rhythmische Erscheinung und evolutive Intensität wahrnehmbar. Der Betrachter unterscheidet die Abfolge chromatischer Effekte und das Spiel der Schatten. Je gesättigter das Licht, desto weniger Schatten und desto schwächer die Geräusche.
Im Orchester wartet jedes Instrument auf seinen Einsatz oder auf ein Aussetzen. Alles scheint angesichts der zunehmenden Lichtstärke der Sonne zu verstummen. Die Helligkeit beugt sich der Zeit, im vollen Licht halten sich nur wenige flüchtige Momente. Nichts kann den Schatten lange verbannen, sobald die Sonne den Zenit überschreitet, wird er sich neu erfinden.

Der Eindruck, der von diesem magischen Moment ausgeht, ist berauschend. Verstummen sogar die Insekten in der Mittagssonne? Es herrscht völlige Stille. Eine Illusion? Diese vergängliche Ruhe ist nicht isoliert. Die Geräuschkulisse wird ersetzt durch eine Reihe optischer Phänomene: Reflexionen.

Das Licht zeichnet nicht greifbare, transparente Bilder in die Wüste. Spiegelungen. Bilder entstehen und zeigen sich wiederholt – spiegelverkehrt und kopfüber. Oben und Unten fließen ineinander; Fernes vermischt sich mit Nähe. Die Erscheinungen überlagern sich. Linien krümmen sich in der strahlenden Sonne. Die Wahrnehmung nimmt surreale Züge an. Paradoxerweise erscheint sämtliches Licht statisch inmitten der flimmernden Luftmassen. Plötzlich nehmen die Schatten wieder Form an und brechen die Visionen. Geräusche leben auf und beenden die einzigartige Stille.

(Texte : A. Meyer / Clervaux – cité de l’image)
(Presse: Clervaux - cité de l'image)

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